Wer aus medizinischen Gründen auf Natrium achtet, schaut auf Lebensmitteletiketten. Das Trinkwasser gerät dabei selten in den Blick. Bei einer Enthärtungsanlage im Haus lohnt dieser Blick jedoch, denn sie verändert den Natriumgehalt des Wassers messbar. Dieser Artikel erklärt die Zusammenhänge und rechnet vor, um welche Mengen es geht.
Vorab: Dieser Text ersetzt keine ärztliche Beratung. Wie viel Natrium für Sie angemessen ist, entscheidet Ihre Ärztin oder Ihr Arzt.
Wie viel Natrium steckt im Leitungswasser?
Für Natrium im Trinkwasser gilt in Deutschland ein Grenzwert von 200 Milligramm pro Liter. (Quelle: Trinkwasserverordnung, Anlage 3) Die tatsächlichen Werte liegen regional meist deutlich darunter. Den Wert für Ihr Versorgungsgebiet nennt Ihnen Ihr Wasserversorger, in der Regel steht er im jährlichen Trinkwasserbericht.
Zum Vergleich: Ein Mineralwasser darf sich nur dann natriumarm nennen, wenn es weniger als 20 Milligramm Natrium pro Liter enthält. (Quelle: Mineral- und Tafelwasser-Verordnung)
Die Weltgesundheitsorganisation empfiehlt Erwachsenen eine Natriumzufuhr von unter 2 Gramm pro Tag, was etwa 5 Gramm Kochsalz entspricht. (Quelle: WHO) Bei bestimmten Erkrankungen kann ärztlich eine deutlich niedrigere Zufuhr angeraten sein.
Was eine Enthärtungsanlage am Natriumgehalt ändert
Eine klassische Enthärtungsanlage arbeitet mit Ionenaustausch. Sie entzieht dem Wasser Calcium und Magnesium und gibt dafür Natrium ab. Das ist kein Nebeneffekt, sondern das Funktionsprinzip.
Die Menge lässt sich berechnen. Für jedes entfernte Calcium-Ion mit zweifacher Ladung gibt der Ionenaustauscher zwei einfach geladene Natrium-Ionen ab. Daraus folgt: Je Grad deutscher Härte, den die Anlage entfernt, steigt der Natriumgehalt um rund 8 Milligramm pro Liter.
Ein Rechenbeispiel für einen Haushalt mit 18 Grad deutscher Härte, der auf 8 Grad enthärtet:
- entfernte Härte: 10 Grad deutscher Härte
- zusätzliches Natrium: rund 82 Milligramm pro Liter
- bei zwei Litern Trinkwasser am Tag: rund 164 Milligramm Natrium zusätzlich
Für einen gesunden Erwachsenen ist das im Verhältnis zur Gesamtaufnahme über die Nahrung eine kleine Größe. Für Menschen unter ärztlich verordneter natriumarmer Ernährung ist es eine Größe, die man kennen sollte, zumal sie auch Kochwasser, Suppen und Tee betrifft.
Warum das bei Nierenerkrankungen relevant sein kann
Die Nieren regulieren den Natrium- und Wasserhaushalt des Körpers. Ist diese Funktion eingeschränkt, kann der Körper überschüssiges Natrium schlechter ausscheiden. Aus diesem Grund gehört eine kontrollierte Natriumzufuhr bei verschiedenen Nierenerkrankungen und bei Bluthochdruck zu den ärztlich begleiteten Maßnahmen.
Was daraus für das Trinkwasser folgt, hängt vom Einzelfall ab: von der Diagnose, vom Stadium, von der Gesamternährung und vom Ausgangswert Ihres Wassers. Diese Abwägung gehört in ein ärztliches Gespräch, nicht in einen Ratgeberartikel und erst recht nicht in ein Verkaufsgespräch.
Was wir Ihnen liefern können, ist die technische Grundlage für dieses Gespräch: Wie viel Natrium enthält Ihr Wasser heute, und wie viel käme durch eine Enthärtungsanlage dazu?
Salzfreier Kalkschutz: der technische Unterschied
Ein Kalkschutzgerät nach dem Prinzip der Impfkristallisation arbeitet grundlegend anders. Es entzieht dem Wasser nichts und setzt ihm nichts zu.
Das Wasser strömt durch ein Spezialgranulat, an dessen Oberfläche mikroskopisch kleine Kalkkristalle entstehen. Diese Impfkristalle wandern frei im Wasser mit. Der gelöste Kalk lagert sich bevorzugt an ihnen an statt an Rohrwänden und Heizstäben. Calcium und Magnesium bleiben vollständig im Wasser. Wie das genau abläuft, erklären wir unter Was ist Impfkristallisation?.
Für den Natriumgehalt bedeutet das: Er bleibt unverändert. Es wird kein Natrium zugeführt, weil kein Ionenaustausch stattfindet. Die Anlage arbeitet ohne Salz, ohne Strom und ohne Abwasseranschluss.
Ebenso klar gehört dazu: Das Wasser wird dadurch nicht weich. Der Härtegrad bleibt gleich. Wer den Härtegrad senken muss, kommt an einer Enthärtungsanlage nicht vorbei und sollte den Natriumzuwachs mit der behandelnden Ärztin oder dem behandelnden Arzt besprechen. Den vollständigen Systemvergleich finden Sie im Artikel zur Alternative zur Enthärtungsanlage.
Was Sie konkret tun können
- Den Natriumwert Ihres Trinkwassers erfragen. Ihr Wasserversorger nennt ihn, meist steht er online im Trinkwasserbericht.
- Den Härtegrad erfragen. Damit lässt sich der Natriumzuwachs einer Enthärtungsanlage abschätzen.
- Beide Werte ins Arztgespräch mitnehmen. Erst dann lässt sich beurteilen, ob das eine Rolle spielt.
- Bei vorhandener Enthärtungsanlage: Prüfen lassen, wie stark sie enthärtet. Viele Anlagen mischen unbehandeltes Wasser bei und lassen sich anders einstellen.
- Einen Trinkwasserhahn ohne Behandlung prüfen. In vielen Installationen lässt sich der Küchenkaltwasserhahn vor der Enthärtungsanlage abgreifen.
Häufige Fragen
Wie viel Natrium darf Trinkwasser enthalten?
Der Grenzwert liegt bei 200 Milligramm pro Liter. (Quelle: Trinkwasserverordnung, Anlage 3)
Wie viel Natrium fügt eine Enthärtungsanlage hinzu?
Rund 8 Milligramm pro Liter je entferntem Grad deutscher Härte. Bei 10 entfernten Graden also etwa 82 Milligramm pro Liter.
Erhöht salzfreier Kalkschutz den Natriumgehalt?
Nein. Bei der Impfkristallisation findet kein Ionenaustausch statt. Der Natriumgehalt bleibt unverändert.
Ist enthärtetes Wasser bei Nierenerkrankungen gefährlich?
Diese Frage lässt sich nicht pauschal beantworten. Sie hängt von Diagnose, Ausgangswerten und Gesamternährung ab und gehört ins ärztliche Gespräch.
Was ist salzarmes Wasser?
Bei Mineralwasser gilt die Bezeichnung natriumarm ab weniger als 20 Milligramm Natrium pro Liter. (Quelle: Mineral- und Tafelwasser-Verordnung)
Fazit
Trinkwasser ist selten die größte Natriumquelle, aber bei einer Enthärtungsanlage im Haus ist sie messbar und berechenbar. Wer aus medizinischen Gründen auf Natrium achtet, sollte den Härtegrad und den Natriumwert seines Wassers kennen und beides ärztlich einordnen lassen. Salzfreier Kalkschutz ist an dieser Stelle die technisch neutrale Variante: Er verhindert Ablagerungen, ohne die Zusammensetzung des Trinkwassers zu verändern.
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